Trials of Magic von Kristina Quills – Rezension: Wenn gute Ideen auf sichere Umsetzung treffen
Manchmal lese ich ein Buch und denke: Das hätte so viel mehr sein können. "Trials of Magic", der Auftakt der "Krone von Isandia"-Reihe, ist so ein Fall. Die Grundidee ist stark, das Setting vielversprechend, und trotzdem hinterlässt mich die Umsetzung mit gemischten Gefühlen.
Die Prämisse: Stark und vielversprechend
Amara ist eine magielose Hexe in einer Gesellschaft, die Magie glorifiziert und zur Voraussetzung für Überleben macht. Mit einundzwanzig muss sie an den Blood Ed Trials teilnehmen – einem Wettkampf, der für jemanden ohne Magie praktisch ein Todesurteil bedeutet. Das ist ein fantastischer Ausgangspunkt. Die Underdog-Geschichte, die verzweifelte Situation, das System, das gegen die Protagonistin arbeitet – all das hätte enormes Potenzial für Spannung, emotionale Intensität und echte Gefahr.
Dazu kommt General Ivar: verschlossen, gefährlich, eigentlich der Feind. Zwischen ihm und Amara entwickelt sich eine verbotene Anziehung, die gegen alle Regeln ihrer Welt verstößt. Enemies-to-Lovers in einem düsteren Fantasy-Setting – ich war bereit, mich komplett hineinziehen zu lassen.
Das Problem: Zu glatte Oberflächen
Aber genau da liegt mein größtes Problem mit dem Buch: Es bleibt zu oft an der Oberfläche. Die Trials, die eigentlich grausam und tödlich sein sollen, fühlen sich erstaunlich sicher an. Ja, es gibt Gefahren, aber sie werden schnell entschärft. Situationen, die mich wirklich hätten mitreißen können – in denen Amara wirklich ums Überleben kämpft, in denen die Brutalität dieses Systems spürbar wird – werden umschifft.
Das zeigt sich auch in der Charakterentwicklung. Amara ist sympathisch, keine Frage. Aber ihre emotionalen Reaktionen auf die extremen Situationen, in denen sie sich befindet, bleiben oft merkwürdig gedämpft. Ich wollte ihre Angst spüren, ihre Verzweiflung, ihre Wut auf dieses unmenschliche System. Stattdessen bekomme ich eine Protagonistin, die alles erstaunlich gut wegsteckt.
Die Romance: Funktional, aber vorhersehbar
Die Beziehung zwischen Amara und Ivar funktioniert nach Schema. Er ist der harte, verschlossene Krieger mit weichem Kern. Sie ist die Einzige, die ihn wirklich sieht. Er beschützt sie gegen jede Vernunft. Das sind alles Elemente, die in Romantasy funktionieren können – und hier auch tun. Aber sie überraschen mich nicht.
Was mir fehlt, sind die Momente echter Reibung. Die Konflikte, die nicht nach drei Seiten aufgelöst sind. Die Szenen, in denen ihre Anziehung wirklich problematisch ist, wirklich gefährlich – nicht nur auf dem Papier, sondern emotional spürbar. Die Enemies-to-Lovers-Dynamik hätte so viel Sprengkraft haben können, gerade in diesem Setting. Stattdessen fühlt sie sich zu schnell zu sicher an.
Das Worldbuilding: Solide, aber nicht immersiv
Isandia als magische Welt ist ordentlich aufgebaut. Das Magiesystem folgt nachvollziehbaren Regeln, die gesellschaftliche Hierarchie ist klar strukturiert, die Rolle der Hexen in dieser Welt macht Sinn. Aber – und das ist vielleicht mein persönlicher Anspruch als Lektorin – mir fehlen die Details, die eine Welt wirklich lebendig machen.
Wie riecht es bei den Trials? Wie fühlt sich die Magie körperlich an? Was essen die Leute, wie klingen ihre Stimmen, welche kleinen Gesten und Rituale prägen ihren Alltag? Diese sensorischen Details, die eine Welt von einem Konzept zu einem Ort machen, an dem ich mich wirklich aufhalten möchte – die vermisse ich.
Was funktioniert: Das Fundament steht
Bei aller Kritik: "Trials of Magic" ist kein schlechtes Buch. Der Schreibstil ist flüssig und zugänglich, die Grundidee trägt, das Magiesystem ist konsistent. Für Romantasy-Fans, die genau diese Art von Geschichte mögen – magische Welt, verbotene Liebe, starke Beschützer-Dynamik – wird das Buch funktionieren.
Und ich bleibe tatsächlich neugierig auf Band zwei. Erste Bände in Reihen sind oft Aufbau, und das Fundament steht hier definitiv. Die Autorin kann erzählen, sie versteht Genre-Konventionen, und der Cliffhanger motiviert zur Fortsetzung.
Mein Fazit: Potenzial, das noch ausgeschöpft werden will
"Trials of Magic" ist für mich ein Buch mit viel Potenzial, das nicht mutig genug ausgeschöpft wird. Die düstere Atmosphäre, die versprochen wird, kommt nicht durch. Die emotionale Tiefe, die die Charaktere und Situationen haben könnten, bleibt zu oft ungenutzt. Die Spannung, die eigentlich in jedem Element dieser Geschichte steckt, wird nicht konsequent aufgebaut.
Das ist schade, weil die Ideen gut sind. Weil das Setting interessant ist. Weil ich wirklich wissen will, wie es weitergeht.
Wenn ihr Romantasy liebt und bei Enemies-to-Lovers schwach werdet, wenn euch eine magielose Heldin in einer von Magie besessenen Welt reizt, dann greift zu. Geht mit moderaten Erwartungen an die düsteren Elemente heran, und lasst euch auf die Romance ein.
Ich für meinen Teil hoffe, dass Band zwei mutiger wird. Dass die Autorin das Vertrauen hat, ihre Charaktere wirklich leiden zu lassen, ihre Welt wirklich dunkel werden zu lassen, ihre Geschichte wirklich zu wagen.
Das Potenzial ist da. Jetzt muss es nur noch ausgeschöpft werden.
3,5 von 5 Sternen
Habt ihr "Trials of Magic" gelesen? Wie habt ihr die Balance zwischen Romance und düsterer Fantasy empfunden? Und wie wichtig ist euch emotionale Tiefe in euren Fantasy-Geschichten?