Warum Divine Rivals mein Herz gestohlen hat (und warum ich es viel zu lange liegen gelassen habe)
Ihr kennt das: Der SUB wächst schneller als man lesen kann. Bei mir stapeln sich die Bücher mittlerweile in drei verschiedenen Zimmern, und irgendwo dazwischen lag Divine Rivals von Rebecca Ross. Monatelang. Ich wusste, dass es da war, registrierte vage die begeisterten Posts in meiner Timeline – magische Schreibmaschinen hier, Enemies-to-Lovers dort, Kriegskulisse irgendwo dazwischen. Klang gut, aber eben nicht dringend.
Bis die Book Community mir keine Wahl mehr ließ.
Wenn alle recht haben (was selten genug vorkommt)
Überall tauchte dieser verdammte Titel auf. BookTok war voll davon. Bookstagram sowieso. Selbst in meinem kleinen Lesekreis schwärmten plötzlich alle von Iris und Roman und diesen ominösen Briefen. Irgendwann dachte ich mir: Okay, Universe, ich hab's verstanden.
An einem verregneten Sonntagnachmittag – ihr wisst schon, diese Tage, an denen man sich rechtfertigen kann, den ganzen Tag im Pyjama zu bleiben – griff ich endlich zu. Und Leute, ich war nicht mehr zu stoppen.
Eine Protagonistin, die nicht perfekt sein muss
Iris Winnow hat mich sofort gepackt. Nicht weil sie besonders ist oder auserwählt oder irgendwelche verborgenen Kräfte besitzt. Sondern weil sie verdammt real ist. Sie arbeitet bei einer Zeitung, nicht weil es ihr Traum war, sondern weil sie Geld braucht. Ihre Mutter ist Alkoholikerin. Ihr Bruder ist im Krieg vermisst. Ihr Leben ist ein einziger Balanceakt zwischen Überleben und Zusammenbruch.
Als Lektor sehe ich ständig Charaktere, deren Probleme sich magisch in Luft auflösen, sobald der Love Interest auftaucht. Ross macht das Gegenteil: Die Probleme bleiben. Sie werden Teil der Geschichte, nicht Hindernis für sie. Das ist mutig und – ehrlich gesagt – ziemlich selten in diesem Genre.
Schreibmaschinen als Liebesboten (klingt kitschig, ist es aber nicht)
Jetzt zu den magischen Schreibmaschinen, über die alle reden. Ich war zunächst unsicher, ob das funktionieren würde. Magische Gegenstände können schnell zum billigen Plot-Device werden, zum Deus ex Machina, wenn's gerade passt.
Aber Ross versteht ihr Handwerk. Die Schreibmaschinen sind nicht einfach nur magisch – sie sind die Metapher der ganzen Geschichte. Zwei Menschen, die sich über Worte näherkommen, ohne zu wissen, wer der andere wirklich ist. Die Briefe zwischen Iris und ihrem unbekannten Gegenüber sind das Herzstück des Buchs. Poetisch, verletzlich, manchmal schmerzhaft ehrlich.
Als jemand, der beruflich mit Worten arbeitet, hat mich das besonders berührt. Ross zeigt, wie Sprache Intimität schafft. Wie man jemandem näher kommen kann durch geschriebene Zeilen als durch tausend oberflächliche Gespräche. Das ist kein Zufall – das ist bewusstes, gekonntes Schreiben.
Roman Kitt: Mehr als nur ein hübsches Gesicht
Kommen wir zu Roman. Der hätte so leicht schiefgehen können. Der arrogante Rivale, der eigentlich ein weiches Herz hat – wir kennen das Muster. Aber auch hier überrascht Ross.
Roman ist kompliziert. Seine Arroganz ist Schutzschild, sein Ehrgeiz kommt aus Verzweiflung, nicht aus Eitelkeit. Die Rivalität zwischen ihm und Iris funktioniert, weil beide auf Augenhöhe sind. Sie sind gleichwertige Gegner – intellektuell, emotional, beruflich. Keiner muss sich klein machen, damit der andere größer wirkt.
Und dann diese Briefe. Zu wissen, dass Roman derjenige ist, der Iris diese wunderschönen, verletzlichen Worte schreibt, während sie sich im Büro anbrüllen – das hat eine dramatische Ironie, die einfach funktioniert.
Krieg ist keine Kulisse
Was mich an vielen Fantasy-Romances stört: Der Krieg im Hintergrund ist oft nur Dekoration. Bisschen Drama hier, ein paar Schlachten dort, aber eigentlich geht's nur um die Romance.
Ross macht das anders. Der Krieg zwischen den Göttern ist allgegenwärtig. Er durchdringt jede Szene, jede Entscheidung. Menschen verschwinden, Städte werden zerstört, Familien zerbrechen. Die Autorin schafft es, die Leichtigkeit junger Liebe mit der Schwere des Krieges zu verweben, ohne dass eines das andere erstickt.
Das ist schwer. Verdammt schwer sogar. Aber sie zieht es durch.
Warum langsam manchmal schneller ans Ziel führt
Hier kommt der Lektor in mir durch: Ross traut sich etwas, das viele Autorinnen heute nicht mehr wagen. Sie erzählt langsam.
Die Beziehung zwischen Iris und Roman entwickelt sich über Monate. Wir sehen sie wachsen, stolpern, sich verlieren und wiederfinden. Es gibt keine Insta-Love, keine magische Anziehung, die alles sofort klärt. Stattdessen: echte Entwicklung, echte Gefühle, echte Konsequenzen.
In einer Zeit, in der viele Bücher auf sofortige Gratifikation setzen – schnelle Plots, schnellere Romance, am besten alles in 300 Seiten – ist das fast schon revolutionär.
Mein Fazit (oder: Hört auf die Community)
Divine Rivals hat alle Erwartungen übertroffen. Es ist mehr als eine Liebesgeschichte, mehr als eine Fantasy-Romance. Es ist ein Buch über die Kraft von Worten, die Bedeutung von Familie und die Frage, wie wir weiterleben, wenn die Welt um uns herum zerbricht.
Rebecca Ross hat hier etwas geschaffen, das im Gedächtnis bleibt. Nicht nur wegen der Romance (die übrigens fantastisch ist), sondern wegen der Art, wie sie erzählt. Mit Tiefe, mit Mut, mit echtem Handwerk.
Und ja, die Book Community hatte recht. Wieder mal. Ich hätte früher auf sie hören sollen.
⭐⭐⭐⭐⭐
P.S.: Band 2 liegt natürlich schon bereit. Und diesmal warte ich keine Monate.
Habt ihr Divine Rivals schon gelesen? Was hat euch besonders bewegt? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!