Für Fans von Legends and Lattes ein klares Muss

Ich lese nicht viel Cosy Fantasy. Das klingt komisch für jemanden, der hauptberuflich Fantasy liest, schreibt und lektoriert, aber das Genre hat mich in den letzten Jahren oft enttäuscht. Zu viel Oberfläche, zu wenig Substanz, zu sehr das Gefühl, dass man mir einfach Wärme verkaufen will ohne dahinter echte Figuren zu stellen. Deswegen habe ich The Spellshop von Sarah Beth Durst zunächst liegen lassen, obwohl mir der Klappentext gut gefallen hat. Bibliothekarin flieht vor Revolution, klaut Zauberbücher, landet auf einer Insel und eröffnet einen illegalen Zauberladen. Das klingt nach meiner Art von Geschichte. Ich habe es dann doch gelesen, und ich bin froh darüber.

Als Leserin bin ich einfach eingetaucht. Selten passiert mir das noch bei Cosy Fantasy, dieses vollständige Loslassen. Kiela ist als Protagonistin sehr gut geschrieben, nicht als romantisches Ideal einer introvertierten Frau, sondern als tatsächlicher Mensch mit konkreten Ängsten, klaren Stärken und einer sozialen Überforderung, die ich so wiedererkenne. Caz, ihr Spinnenpflanzenkollege mit eigenem Charakter und eigenem Willen, hat mein Herz im Sturm genommen. Ich habe die beiden wirklich vermisst, als ich das Buch zugeklappt habe. Die Insel, die Dorfgemeinschaft, die langsam wiederentdeckte Kindheitsheimat, all das liest sich wie Urlaub. Dabei nicht leer, nicht langweilig, sondern satt und warm.

Als Autorin habe ich besonders geschaut, wie Durst den Ton hält. Das ist nämlich schwieriger als es aussieht. Cosy zu schreiben ohne in Klischees oder Kitsch zu verfallen, warm zu bleiben ohne sentimental zu werden, Konflikt einzubauen ohne die Stimmung zu zerstören. Das gelingt ihr sehr gut. Ich habe mir einige Stellen markiert, in denen Kielas Charakter ausschließlich über kleine Handlungen sichtbar wird, kein einziges Mal wird erklärt wer sie ist, man sieht es einfach. Das ist gutes Handwerk. Die Romanze entwickelt sich langsam und organisch, und der handsome neighbour wirkt tatsächlich wie ein echte Figur und nicht wie eine Plot-Funktion. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit.

Als Lektorin werde ich etwas konkreter. Das Worldbuilding ist außerordentlich gut. Die Magie-Logik ist in sich konsistent, die Welt atmet, und die Art wie das Imperium im Hintergrund als bedrohliche Kraft funktioniert ohne ständig präsent sein zu müssen, das ist strukturell stark gelöst. Einen Abzug gibt es trotzdem, und der geht auf Kosten eines Erzählstrangs, der für mich nicht ganz aufgeht. Ich möchte nicht spoilern, aber es gibt eine Entwicklung, bei der ich das Gefühl hatte, dass sie mehr vom Plot gebraucht wird als von der inneren Logik der beteiligten Figur. Motivation und Handlung passen nicht vollständig zusammen, und das ist der Moment, in dem ich als Lektorin den Stift heben würde. Es ist kein schwerer Fehler, aber es ist spürbar.

Fazit: The Spellshop ist ein sehr gutes Buch, das verdient, was es verspricht. Vier Sterne, die ich gerne vergebe, und ein klares Ja für alle, die Cosy Fantasy mögen und dabei nicht auf echte Figuren, durchdachtes Worldbuilding und einen konsistenten magischen Rahmen verzichten wollen. Für Fans von Legends and Lattes und A Psalm for the Wild-Built ist es Pflichtlektüre. Für alle anderen: Wenn ihr mal einfach abtauchen wollt ohne dabei das Gehirn ganz auszuschalten, dann ist das euer Buch.

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Solide drei Sterne – unterhaltsam, aber nicht unvergesslich.