Solide drei Sterne – unterhaltsam, aber nicht unvergesslich.

Ich muss zugeben: Ich habe "Two Can Play" hauptsächlich wegen des Covers und dem farbigen Buchschnitt gekauft. Das ist jetzt keine besonders literarische Begründung, aber ich bin ehrlich. Ali Hazelwood kannte ich natürlich, die SPIEGEL-Bestseller-Schiene spricht für sich, und Enemies-to-Lovers im Ski-Hütten-Setting klang nach einem perfekten Feierabendlese-Projekt. Und genau das war es auch – mit ein paar handwerklichen Dingen, über die ich als Autorin und Lektorin aber nicht einfach hinwegkomme.

Als Leserin:

Ich hab das Buch in einem Abend weggelesen. Das ist erst mal ein Statement. Hazelwood schafft es, eine Lesefluss-Energie zu erzeugen, die sich fast wie Binge-Watching anfühlt – man kommt nicht so leicht raus. Viola ist eine sympathische Protagonistin, ihr Enthusiasmus fürs Videospielentwickeln wirkt authentisch und gibt der Story eine schöne, etwas ungewöhnliche Kulisse für eine Romance. Das winterliche Hütten-Setting tut sein Übriges – gemütlich, knisternde Atmosphäre, alles da. Emotional hat mich das Buch aber nicht ganz gepackt. Ich hab mitgefiebert, aber nicht mitgefühlt. Da ist ein Unterschied, der für mich am Ende drei Sterne macht und keine vier.

Als Autorin:

Was ich von Hazelwood immer wieder lerne, ist Timing. Sie weiß, wann sie eine Szene streckt und wann sie schneidet, und ihr Humor sitzt. Das sind Qualitäten, die man nicht so einfach lernt. Was mich als Autorin aber beschäftigt hat: Der Miscommunication-Trope als zentrales Konfliktelement ist eine der heikelsten Entscheidungen, die man in einer Romance treffen kann. Er funktioniert, wenn die Psychologie dahinter wasserdicht ist – wenn ich als Leserin verstehe, warum diese Figuren dieses eine Gespräch nicht führen. In "Two Can Play" war das für mich nicht überzeugend genug. Ich hab Viola verstanden, aber bei Jesse hat mir die emotionale Innenperspektive gefehlt, die seine Zurückhaltung wirklich glaubwürdig macht. Das ist kein Stilproblem – das ist ein strukturelles.

Als Lektorin:

Hier werde ich am konkretesten, weil ich hier am meisten zu sagen habe. Das Pacing des Buches ist ungleichmäßig. Die erste Hälfte funktioniert gut, der Aufbau der Spannung sitzt. Aber die emotionale Entwicklung in der zweiten Hälfte wirkt, als hätte jemand im Manuskript ein paar Szenen gestrichen, die eigentlich noch gebraucht worden wären – Momente, in denen die Charaktere wirklich ankommen müssen bevor die Geschichte weiterzieht. Das Ergebnis ist eine Auflösung, die sich etwas unverdient anfühlt. Dazu kommen die Nebencharaktere: Im Workplace-Setting wäre so viel Potential für Tiefe, Komik und auch für Spiegel-Funktion gegenüber den Hauptfiguren. Das bleibt hier leider weitgehend ungenutzt. Viola und Jesse existieren ein bisschen im Vakuum, und das macht eine Romance flacher als sie sein müsste.

Fazit:

"Two Can Play" ist kein schlechtes Buch. Es ist ein kurzweiliges, gut geschriebenes, angenehmes Buch – und manchmal ist das genug. Wenn ihr Hazelwood mögt, werdet ihr hier nicht enttäuscht sein. Wenn ihr einen entspannten Leseabend ohne große emotionale Investition sucht, ist das genau das Richtige. Wenn ihr aber tiefe Charakterarbeit, einen ausgefeilten Konflikt und Nebenrollen mit Substanz erwartet, könntet ihr ein bisschen zu kurz kommen. Drei von fünf Sternen – und das meine ich nicht als Kritik an Hazelwood als Autorin, sondern als ehrliche Einschätzung dieses einen Buches. Ich würde trotzdem wieder zu ihr greifen. Das sagt eigentlich alles.

Zurück
Zurück

Für Fans von Legends and Lattes ein klares Muss

Weiter
Weiter

Ein Buch, das mich als Thriller-Neuling fast um den Schlaf gebracht hat.