Warum ich mir "The Pumpkin Spice Latte Disaster" trotz meiner Skepsis geholt habe (und nicht bereut habe)
Seien wir ehrlich: Als ich die Beschreibung "Gilmore Girls-Vibes" gelesen habe, bin ich erstmal zusammengezuckt. Das ist Marketing-Sprech für "Wir wissen, was ihr wollt, und wir liefern brav." Trotzdem lag das Buch drei Tage später auf meinem Nachttisch. Herbst macht Dinge mit einem.
Die Ausgangslage: Flucht, Familie und ein grummeliger Barista
Jude ist 26, rastlos und hasst eigentlich alles, wofür Lower Whilby steht. Kleinstadt-Idylle? Nein danke. Beständigkeit? Bloß weg. Aber die Hochzeit ihrer Schwester lässt sich nicht verschieben, also kehrt sie zurück – direkt in die Arme (naja, erstmal nicht) von James. Der ist Barista, Sohn legendärer Brit-Pop-Stars, attraktiv und vor allem: genervt von Jude.
Sie will ihn für ihren Podcast ausquetschen. Er will seine Ruhe. Dann stellt er sie aus der Not heraus in seinem Café ein. Ihr wisst, wie das ausgeht.
Was funktioniert: Echte Menschen statt Pappfiguren
Jude ist keine Manic Pixie Dream Girl. Sie ist eine Frau, die ihre eigenen Muster noch nicht durchschaut hat, die weglauft statt zu bleiben, die Angst vor Stillstand hat. Das ist glaubwürdig geschrieben, ohne aufgesetzt zu wirken. James könnte der typische "grumpy but secretly soft"-Typ sein, aber er hat genug Ecken und Kanten, dass es funktioniert.
Die Chemie zwischen beiden? Entwickelt sich organisch. Keine Insta-Love, keine erzwungenen Missverständnisse (naja, fast keine). Und die Spice-Szenen – falls das für euch relevant ist – kann man überspringen, ohne dass die Story leidet. Sie sind da, aber nicht aufdringlich.
Lower Whilby und der ganze Herbst-Zauber
Ich gebe zu: Die Herbstatmosphäre hat mich gekriegt. Der kleine englische Ort, die Café-Szenen, die Referenzen zu Kürbisgewürz und gemütlichen Pullover-Momenten – das ist liebevoll inszeniert, ohne in Kitsch abzurutschen. Als jemand, der beruflich viel mit Texten arbeitet, weiß ich, wie schwer dieser Balance-Akt ist.
Was mich positiv überrascht hat: Die Geschichte nimmt sich Zeit für Tiefe. Familiendynamiken, der Druck von Erwartungen, die Frage, was Zuhause eigentlich bedeutet – das wird nicht nur angedeutet, sondern wirklich ausgelotet.
Aber – und jetzt kommt das Lektorat in mir durch
Es gibt Momente, da spüre ich zu sehr die Konstruktion. Szenen, die sich anfühlen wie: "Hier kommt jetzt der süße Moment" oder "Jetzt brauchen wir einen Konflikt, weil wir auf Seite 200 sind." Der Plot hat Wendungen, die zu glatt sind, zu sehr nach Schema F statt nach echtem Leben.
Manche Nebenfiguren existieren nur, um ihre dramaturgische Funktion zu erfüllen. Das ist in Romance-Büchern nicht ungewöhnlich, aber hier hätte ich mir mehr gewünscht. Gerade weil die Hauptcharaktere so gut geschrieben sind.
Die Gilmore-Girls-Vergleiche? Ja, die Stimmung ist da. Aber ehrlich: Das Buch ist am stärksten, wenn es sein eigenes Ding macht und nicht versucht, eine bestimmte Vibe nachzubauen.
Mein Fazit: Herbstlektüre mit Herz
"The Pumpkin Spice Latte Disaster" ist keine perfekte Geschichte. Aber es ist eine, die mir warm ums Herz wurde, während ich sie gelesen habe. Die Charaktere bleiben im Kopf, die Emotionen fühlen sich echt an, und die Herbststimmung funktioniert, ohne aufgesetzt zu wirken.
Für alle, die Romance mit etwas Substanz mögen, die unperfekte Protagonisten schätzen und die im Herbst sowieso schwach werden – das hier ist eure Gelegenheit.
3,5 von 5 Sternen
Habt ihr das Buch schon gelesen? Oder seid ihr Team "Gilmore Girls nur im Original"? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!