Werkatzen, Schulden und ein Kater namens Pickels – Warum Werecat Café funktioniert (trotz absurdem Ende)
Werkatzen, Schulden und ein Kater namens Pickels – Warum Werecat Café funktioniert (trotz absurdem Ende)
Werkatzen. Ich wiederhole: Werkatzen.
Als ich die Prämisse von Werecat Café las, war meine erste Reaktion ein ungläubiges Stirnrunzeln. Werwölfe? Klar, Klassiker. Vampire? Geschenkt. Aber Werkatzen? Das klingt nach einer dieser Ideen, die entweder grandios scheitern oder – gegen alle Erwartungen – überraschend gut funktionieren.
Spoiler: Es funktioniert. Größtenteils.
Dorothy Murphy und der Fluch des neuen Haarschnitts
Dorothy Murphy ist magische Tierärztin in Snickerford, einem verträumten Hexendorf, und hat ein Problem, das vermutlich viele nachvollziehen können: Sie will endlich aus dem Schatten ihrer identisch gekleideten Drillingsschwestern heraustreten. Ihr Plan? Ein Friseurbesuch in Canterbury. Simple Lösung, oder?
Natürlich läuft alles anders.
Statt einer neuen Frisur bringt Dorothy versehentlich einen gefährlichen Werkatzenfluch ins Rollen. Eine scheinbar herrenlose Katze mit Adressanhänger führt sie ins Katzencafé von Canterbury – betrieben vom brummigen Elliott, der das Café samt massivem Schuldenberg von seiner Ex geerbt hat. Kaum hat Dorothy das Kätzchen dort untergebracht, wird Elliott gebissen. Und verwandelt sich prompt in eine Werkatze. Mit Schnurren, spitzen Zähnen und nächtlichem Jagdtrieb.
Die Prämisse ist absurd genug, um Spaß zu machen, ohne ins Lächerliche abzudriften. Und genau das ist die Stärke dieses Buchs: Es nimmt sich selbst ernst, ohne dabei die Leichtigkeit zu verlieren.
Chemie ohne Spice-Überladung – endlich!
Was mich als Lektorin besonders gefreut hat: Die Autorin versteht, dass gute Romantic-Beats nicht zwangsläufig explizite Szenen brauchen. Dorothy und Elliott kommen sich näher, während sie mit zehn Katzen, Schuldenproblemen und geheimen Verwandlungen jonglieren. Die Chemie entwickelt sich organisch, ohne erzwungene Konflikte oder aufgesetztes Drama.
Das ist in der aktuellen Romantasy-Landschaft tatsächlich eine Wohltat. Keine Spice-Überladung bei jeder Gelegenheit, sondern zwei Menschen (bzw. ein Mensch und eine temporäre Katze), die mit echten Problemen kämpfen. Schulden. Identitätskrisen. Ein verbotener Fluch. Das fühlt sich trotz des Fantasy-Settings erfrischend real an.
Pickels – der heimliche Star
Und dann ist da Pickels.
Dieser Kater stiehlt jede einzelne Szene, in der er auftaucht. Wer Tiere in Geschichten liebt – und besonders Katzen –, wird hier absolut glücklich. Pickels ist nicht einfach nur niedliches Beiwerk, sondern ein vollwertiger Charakter mit Persönlichkeit. Chapeau.
Das Ende: Wenn der Fluch sich selbst verflucht
Aber – und hier wird's holprig – das Ende.
Nach einem durchweg stimmigen Aufbau, einer charmanten Prämisse und authentischen Charaktermomenten kippt die Auflösung ins Absurde. Und zwar nicht im charmanten Sinne, sondern im "Moment, was passiert hier gerade?"-Sinne. Die Lösung des Werkatzenfluchs wirkt überstürzt, fast so, als hätte die Autorin selbst nicht genau gewusst, wie sie die Sache elegant zu Ende bringen sollte.
Das hat mich ratlos zurückgelassen, weil der Rest des Buchs so rund war. Die Charaktere funktionierten, die Tonalität stimmte, die Romance entwickelte sich glaubwürdig – und dann diese hastige Auflösung, die nicht zum Rest passt.
Aus Lektorensicht ärgerlich, weil es den sonst so stimmigen Gesamteindruck trübt. Nicht komplett zerstört, aber definitiv angeknackst.
Fazit: Cozy-Romantasy mit Herz (und ein paar Kratzern)
Werecat Café ist trotz des holprigen Endes solide Cozy-Romantasy. Dorothy ist eine sympathische Protagonistin, Elliott ist brummig-charmant auf die richtige Art, und Pickels... nun ja, Pickels ist Pickels.
Die Geschichte bietet genau das, was man von Cozy-Fantasy erwartet: Wärme, Leichtigkeit, eine Prise Magie und Charaktere, die man gerne begleitet. Für Fans des Genres ist das ein gemütlicher Lesespaß – mit ein paar Kratzern am Schluss, aber immer noch lesenswert.
Bewertung: 4 von 5 Sternen ⭐⭐⭐⭐
Für wen ist das Buch?
Cozy-Fantasy-Fans, die Katzen lieben
Leser*innen, die Romance ohne Spice-Überladung suchen
Alle, die absurde Prämissen mit Herz schätzen
Menschen, die Pickels in ihrem Leben brauchen (also: alle)
Nicht geeignet für:
Leser*innen, die perfekt abgerundete Enden brauchen
Fans von High-Stakes-Fantasy
Alle, die Werkatzen grundsätzlich nicht ernst nehmen können
Habt ihr Werecat Café gelesen? Wie fandet ihr das Ende? Und welche absurden Fantasy-Konzepte haben bei euch überraschend gut funktioniert? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!