Wenn die Protagonistin nervt, aber die Pinguine retten: Meine zwiespältige Antarktis-Romance
Manchmal liest man ein Buch und merkt schon nach den ersten Kapiteln: Das wird kompliziert. Nicht wegen des Plots, nicht wegen des Settings – sondern wegen der Hauptfigur, mit der man die nächsten 300 Seiten verbringen soll. Genau so ging es mir mit "Falling in love is the greatest paradox".
Das Versprechen: Antarktis, Forschung, Pinguine
Seien wir ehrlich: Wer kann bei diesem Setup widerstehen? Eine Veterinärmedizinerin auf Forschungsreise in der Antarktis, umgeben von Pinguinen, während sie ihre Doktorarbeit schreibt. Dazu ein grummeliger Teamleiter, der sie offenbar wahnsinnig macht. Enemies to Lovers auf einer isolierten Polarstation? Sign me up.
Und ja, das Buch liefert genau das. Die Kulisse stimmt, die Pinguine sind bezaubernd (wer liebt sie nicht?), und die Autorin hat sich offensichtlich mit der Materie beschäftigt. Die Passagen, in denen Emerie tatsächlich forscht, haben Hand und Fuß. Das Setting trägt die Geschichte, und die Antarktis wird zum perfekten Gegenpol für die aufkeimende Hitze zwischen den Hauptfiguren.
Das Problem: Emerie
Aber dann ist da Emerie. Und ich weiß nicht, wie ich es diplomatisch ausdrücken soll: Sie hat mich einfach nicht abgeholt. Während ich bei anderen Romance-Büchern mit der Protagonistin mitfiebere, saß ich hier oft kopfschüttelnd da. Ihre Entscheidungen wirkten auf mich unreif, ihre Reaktionen teilweise cringe, und mehr als einmal dachte ich: "Das ist eine red flag."
Vielleicht liegt es daran, dass ich als Lektor gewohnt bin, Figuren auf ihre Konsistenz zu prüfen. Vielleicht sind meine Erwartungen an weibliche Hauptfiguren einfach anders. Aber Emerie fühlte sich für mich nicht ausgereift an. Sie blieb eindimensional, wo sie hätte wachsen können, und ihre Konflikte wirkten oft selbst geschaffen statt organisch aus der Situation erwachsend.
Die Rettung: Beckett und der Dual POV
Was mich beim Buch gehalten hat? Beckett. Und die Tatsache, dass wir auch seine Perspektive bekommen.
Becketts Charakter ist differenziert angelegt. Er ist nicht einfach nur der grummelige Chef, der im Laufe der Geschichte weich wird. Er hat Tiefe, nachvollziehbare Gründe für sein Verhalten und eine Entwicklung, die sich verdient anfühlt. Seine Gedanken, seine Zweifel, die Art, wie er mit Druck und Verantwortung umgeht – all das hat funktioniert. Ohne den Dual POV hätte ich das Buch wahrscheinlich abgebrochen.
Hier zeigt sich auch, warum ich als Autor und Lektor so ein Fan von mehreren Perspektiven bin: Sie können eine schwächelnde Hauptfigur auffangen. Sie geben dem Leser einen Ausweg, wenn eine Stimme nicht funktioniert. In diesem Fall hat Becketts POV das Buch für mich gerettet.
Vorhersehbar, aber okay
Der Plot selbst bewegt sich in gewohnten Romance-Bahnen. Feinde zu Liebhabern, Nähe durch Isolation, langsam aufbauende Spannung – nichts, was man nicht schon hundertmal gelesen hat. Aber das ist okay. Romance lebt von Tropes, und solange sie gut umgesetzt sind, stört mich Vorhersehbarkeit nicht.
Hier ist der Plot stimmig, ohne große Überraschungen, aber auch ohne peinliche Logiklöcher. Es ist klassische Genre-Kost, und das darf sie auch sein. Nicht jedes Buch muss das Rad neu erfinden.
Zu viel Spice, zu wenig Pinguine
Was mich allerdings gestört hat: die Menge an expliziten Szenen. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Spice in Romance, aber hier hatte ich das Gefühl, dass sie mehr Platz einnehmen als nötig. Manche Szenen wirkten eingefügt, weil es zum Genre gehört, nicht weil sie die Geschichte vorangebracht hätten.
Für meinen Geschmack hätte man die Seitenzahl besser nutzen können – für mehr Forschung, mehr Pinguine, mehr Antarktis. Das Setting ist so stark, dass es schade ist, wenn es zugunsten der x-ten Bettszene zurücktritt.
Mein Fazit: Gespalten
"Falling in love is the greatest paradox" ist ein Buch, das mich zwiegespalten zurücklässt. Beckett und die Antarktis haben mich begeistert, Emerie hat mich verloren. Das ist frustrierend, weil das Potenzial da war. Mit einer stärkeren Protagonistin wäre das ein solides 4-Sterne-Buch geworden.
So bleibt es eine okay-Lektüre für zwischendurch. Perfekt für einen verregneten Sonntag, an dem man einfach nur abtauchen will. Aber kein Buch, das bei mir hängenbleibt.
Für wen funktioniert es trotzdem?
Wenn du mit schwierigen Protagonistinnen besser klarkommst als ich, könnte das Buch für dich funktionieren. Wenn du Workplace Romance und Enemies to Lovers magst, ebenfalls. Und wenn du – wie ich – eine Schwäche für Pinguine hast, lohnt es sich allein dafür.
Aber erwarte keine tiefgründigen Charaktere. Erwarte eine unterhaltsame, vorhersehbare Romance mit tollem Setting und einem männlichen Lead, der es raushaut.
Die anderen Bücher der Reihe?
Die im Klappentext erwähnten winterlichen Schmöker schaue ich mir trotzdem an. "Christmas at Tiffany's", "Single All the Way" und Co. klingen vielversprechend, und vielleicht finde ich da ja die Protagonistin, die mir hier gefehlt hat.
Bis dahin bleibe ich dabei: Pinguine sind großartig. Emerie leider weniger.
Was ist mit euch? Habt ihr das Buch gelesen? Wie fandet ihr Emerie? Und seid ihr auch Team Pinguin? Schreibt es mir in die Kommentare!